5. April 2011
Gedichtübersetzung-Nr. 013.
Corona (1948/1952) by Paul Celan (1920–1970)

Aus dem Deutschen ins Chinesische übertragen in Taipeh am 5. April 2011.
Vorgetragen während der Lesung „Grenzland, Gezeiten: Poetry Reading and Other German/French Poems“ im Café Philo in Taipeh am 7. April 2011.
Corona
Aus der Hand frißt der Herbst mir sein Blatt: wir sind Freunde.
Wir schälen die Zeit aus den Nüssen und lehren sie gehn:
die Zeit kehrt zurück in die Schale.
Im Spiegel ist Sonntag,
im Traum wird geschlafen,
der Mund redet wahr.
Mein Aug steig hinab zum Geschlecht der Geliebten:
wir sehen uns an,
wir sagen uns Dunkles,
wir lieben einander wie Mohn und Gedächtnis,
wir schlafen wie Wein in den Muscheln,
wie das Meer im Blutstrahl des Mondes.
Wir stehen umschlungen im Fenster, sie sehen uns zu von der Straße:
Es ist Zeit, dass man weiß!
Es ist Zeit, daß der Stein sich zu blühen bequemt,
daß der Unrast ein Herz schlägt.
Es ist Zeit, daß es Zeit wird.
Es ist Zeit.
Ausgewählt aus dem Gedichtband Mohn und Gedächtnis, erschienen 1952.
〈花冠〉
秋天從我手中吃進它的葉:我們是朋友。
我們從果核剝出時間的殼並且教它走路:
時間返回殼中。
鏡子裡是星期日,
夢裡是沉睡,
口中吐出真話。
我的眼睛攀爬在愛人的性屬:
我們望著彼此,
我們訴說黑暗,
我們相愛如同罌粟與記憶,
我們如酒般在貝殼裡酣睡,
如海,在月亮的血色光芒裡。
我們纏繞著佇立在窗裡,
他們從街上望著我們:
是時候讓人知道了!
是時候讓石頭順勢開花,
讓心不安地擊敲。
是時候讓它成為時候了。
是時候了。
——選自保羅‧策蘭(Paul Celan, 1920–1970)《罌粟與記憶》(Mohn und Gedächtnis),1952年出版
中譯:彤雅立