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31. Mai 2026

Poesie-Nr. 040.
Gebirge mit ewigem Schnee

Rheinland, 31. Mai bis 9. Juni 2026



Eine geschlossene Schneedecke

verbirgt die Wahrheit in der Tiefe.

In der sternklaren, schneeerhellten Nacht

scheint der vierte Vollmond, der die wahrhaften Dinge heimlich erhellt.

Etwas wie die vom Sturm verwirbelten Schneeflocken,

die das in Geborgenheit Liegende, das im Kopf Verwirbelte,

in die kalte Luft treiben – und dabei eine Erscheinung ausmalen.

 

Auf dem festgefahrenen Schnee steht ein einsames Schneehuhn,

das zu viel vom Leben vor seinen Augen gesehen hat.

Es entfaltet seine erdfarbigen Gefilde, die

das geheimnisvolle Geschehen eingepackt haben.

Des Wertvollen Geschehen, das unter dem gegraupelten Wetter

Zwischen Himmel und Erde ohne menschliche Augen passiert ist.

 

Wie ein Kinderschreck sitzt lange in den Gliedern der Hörenden,

hat diese Wahrhaftigkeit denselben Ton.

Um niemanden zu verstören, entschied sie sich zu verstecken

unter der schneeweißen Tarnung –

Nein, das ist nicht wahr, das kann nicht wahr sein.

Jeder, der das hört, sieht es unerhört.

 

Ein Schreckbild schwebt in der Stille vor.

Eine Aphasie kriecht langsam aus dem Mund.

Das Kind tritt schreckensbleich zurück, als es

ein Teilchen der Wahrheit antastet.

Von dieser Szene wird es verfolgt –

Jede Nacht lösen die schreckhaften Visionen in ihm aus,

von einem Punkt in der Dunkelheit

bis zu einem Meer des Schneeweiß.

 

Es wittert eine Spur.

Es verspürt eine Gefahr.

Etwas Größeres, noch nicht Entlarvtes

lauert mit trägen Stimmungen und

breitet sich mit sperriger Sprache aus.

 

Ein Gesang erschallt durch die schneeigen Hänge.

Er trägt das Eiskristall in die Ferne fort, der

einen uralten winterlichen Traum beschreibt und

dessen falbe Erinnerung abruft.

Die zwei schwärzlichen Raben, die die Notjahre miterlebt haben

und deren Zeitzeugen geworden sind,

krähen und tanzen in der Schneelandschaft,

tauschen ihre Geheimnisse aus.

 

Die Legende eines Schneemenschen, die in Vergessenheit geraten ist,

oder die Mystik einer Bergkatze, die keiner mehr erwähnt hat.

Ihre Schreie sind im tiefen Schnee eingesunken, dort verankert

und die in den schneereichen vier Jahreszeiten vom Wind angewehten Schneeflocken

wirken als Hintergrund, den man nicht mehr klar sieht.

 

Ein Gletscher, der die Landschaft zerlegt, beschneidet die Wahrnehmung

der hier befindlichen Menschen.

Dennoch wird dieses Wahrhafte in der dünnen weißen Luft

eingraviert.

Die Kerbe im Schnee, die niemand sieht,

gilt als die hinterlassene Spur der beiden Raben, die ab und zu

unvermittelt krähen.

 

Im Gewinde der Zeit

fließt der Gletscher, und dessen Geheimnis fließt

seit langem nicht mehr.

Eingefroren sind sie

im Gebirge mit ewigem Schnee,

unter scharfem Licht

und in der schneidenden Kälte.

 

 



 

 

 


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