20. Juli 2026
Poesie-Nr. 049.
Die tonlose Zunge spricht

Verfasst am 20. Juli 2026 im Übersetzerhaus Looren in Wernetshausen, Schweiz
Die Zunge klingt –
Sie zischt,
sie tönt,
sie möchte etwas ausdrücken.
Sie bleibt ruhig,
ohne Stimme.
Sie wollte etwas zeigen,
was die Augen nicht sagen können.
tief aus dem Herzen –
in einer geheimen Sprache,
die sonst niemand kennt.
Die Zunge begegnet einer anderen Zunge,
die eine andere Sprache spricht.
Noch eine andere Zunge, die eine dritte Sprache spricht –
Confusio linguarum.
Sie leben in der Sprachverirrung.
Sie zerstreuen sich über einer weiten Wiese.
Sie essen, trinken, reden
unter den Strahlen der sinkenden Sonne
Sie wirbeln und vibrieren,
auf und ab,
hin und her.
Die Laute werden leise,
das Zischen wird tonlos.
Das Murmeln im Innern
mischt sich mit Gesagtem und Ungesagtem.
Ein Schall eines Vogels dringt
von der Wiese in die Ferne,
das Tal empfängt ihn,
das Echo hallt nach.
Die Zungen fühlen,
die Zungen schlucken.
Sie summen und verstummen
unter dem Nachthimmel.