Shunryu Suzuki (鈴木俊隆, 1905–1971) war ein japanischer Zen-Meister und einer der Wegbereiter des Zen in den USA. Er gründete 1962 das Zen Center in San Francisco und beeinflusste das westliche Verständnis des Zen maßgeblich durch sein Werk Zen Mind, Beginner’s Mind.
Titel der amerikanischen Originalausgabe:
Zen-Mind, Beginner‘s Mind, Informal talks on Zen meditation and practice.
New York, Tokyo: Weatherhill, 1970.
S. 9
Vorbemerkung
Es gibt zwei Suzukis. Es war Daisetz T. Suzuki, der vor einem halben Jahrhundert den Zen-Buddhismus in den Westen brachte. Die historische Bedeutung dieser Verpflanzung aus der Kraft eines Einzelnen wurde mit den Übersetzungen von Aristoteles im 13. Jahrhundert und von Platon im 15. Jahrhunderr ins Lateinische verglichen. Fünfzig Jahre später schuf Schunryu Suzuki etwas, das fast ebenso wichtig war. In diesem Buch, seinem einzigen, schlug er genau den Ton an, den die an Zen interessiererten Amerikaner nach dem ersten Suzuki nötig hatten.
Verfasser: Huston Smith, Professor der Philosophie, Massachusetts Institute of Technology
S. 21 Titelseite
Es ist Weisheit, die nach Weisheit sucht.
S. 25
TEIL EINS: Rechte Praxis
S.31 Atmen
Was wir „Ich“ nennen, ist nur eine Schwingtür, die sich bewegt, wenn wir einatmen und ausatmen.
S. 37 Wellen des Geistes
Weil wir uns aller Aspekte des Lebens erfreuen als einer Entfaltung des großen Geistes, sind uns übermäßige Freuden nicht so wichtig. So haben wir unerschütterliche Gelassenheit.
S. 50 Sich Verbeugen
Sich verbeugen ist eine sehr ernsthafte Praxis. Ihr solltet immer bereit sein, euch zu verbeugen, selbst im letzten Augenblick eures Lebens. Obwohl es unmöglich ist, unsere selbstbezogenen Wünsche loszuwerden, müssen wir es tun. Unsere wahre Natur verlangt es.
S. 57
TEIL ZWEI: Recht Haltung
Worauf wir Wert legen, ist starkes Vertrauen in unsere ursprüngliche Natur.
S. 58 Der Weg der ungeteilten Aufmerksamkeit
Selbst wenn die Sonne in Westen aufginge, hat der Bodhisattva* nur einen Weg.
S. 64 Zen und Aufregung
Zen ist nichts Aufregendes, sondern Konzentration auf unsere Verrichtungen des täglichen Lebens.
S. 70 Keine Spur
Wenn ihr etwas tut, solltet ihr euch vollständig verbrennen wie ein gutes Feuer, das keine Spuren hinterlässt.
S. 74 Gott als Gebender
„Geben ist Nicht-Anhaften.“ Das bedeutet, keinem Ding anhaften ist Geben.
S. 96 Beständigkeit
Menschen, die den Zustand der Leerheit kenne, werden ihre Probleme immer durch Beständigkeit auflösen können.
S. 100 Kommunikation
Das Wichtigste ist, dass ihr euch, ohne euch übertrieben oder gewollt anzupassen, so ausdrückt, wie ihr seid.
S. 107 Nirwana, der Wasserfall
Unser Leben und Tod sind dasselbe. Wenn wir diese Tatsache erkennen, haben wir keine Angst mehr vor dem Tod und auch keine wirkliche Schwierigkeit in unserem Leben.
S. 111
TEIL DREI: Rechtes Verstehen
Unser Verständnis des Buddhismus ist nicht bloß ein intellektuelles Verstehen. Wahres Verstehen ist die wirkliche Praxis selbst.
S. 112 Traditioneller Zen-Geist
Wenn ihr versucht, Erleuchtung zu erlangen, erzeugt ihr Karma und werdet von Karma getrieben, und ihr vergeudet eure Zeit auf eurem Sitzkissen.
S. 116 Vergänglichkeit
Wir sollten vollkommen Existenz durch unvollkommene Existenz finden.
Die grundlegende Lehre des Buddhismus ist die Lehre von der Vergänglichkeit beziehungsweise vom Wandel. Dass alles sich wandelt, ist die Grundwahrheit jeder Existenz. Niemand kann diese Wahrheit bestreiten, und darin ist die gesamte Lehre des Buddhismus zusammengefasst. Diese Lehre gilt für uns alle. Wohin wir auch gehen, diese Lehre ist wahr. Sie wird auch verstanden als die Lehre von der Selbst-losigkeit. Weil jede Existenz in ständigem Wandel begriffen ist, gibt es kein dauerhaftes Selbst. Ja, die Selbst-Natur jeglicher Existenz ist nichts anderes als Wandel, die Selbst-Natur aller Existenz. Es gibt keine besondere, getrennte Selbst-Natur einer einzelnen Existenz. Dies wird auch die Lehre von Nirvana genannt. Wenn wir die immer gültige Wahrheit des „alles wandelt sich“ wirklich verstehen, und ruhige Gelassenheit darin finden, dann finden wir uns in Nirwana.
Wenn wir die Tatsache, dass alles sich wandelt, nicht akzeptieren, können wir keine vollkommene Gelassenheit finden. Doch leider können wir dies, obwohl es wahr ist, nur schwer annehmen. Weil wir die Wahrheit der Vergänglichkeit nicht annehmen können, leiden wir. Die Ursache unseres Leidens liegt also in unserem Nicht-Akzeptieren dieser Wahrheit. Die Lehre von der Ursache des Leidens und die Lehre, dass alles such wandelt, sind demnach zwei Seiten einer Münze. Doch subjektiv gesehen, ist die Vergänglichkeit die Ursache unseres Leidens. Objektiv ist diese Lehre einfach die Grundwahrheit, dass alles sich wandelt.
S. 117
Wir sollten vollkommene Existenz durch unvollkommene Existenz finden. Wir sollten Vollkommenheit in der Unvollkommenheit finden. Für uns unterscheidet sich vollständige Vollkommenheit nicht von Unvollkommenheit. Das Ewige existiert aufgrund der nicht-ewigen Existenz.
S. 123 Natürlichkeit
Augenblick für Augenblick kommt jeder aus dem Nichts hervor. Das ist die wahre Lebensfreude.ä
S. 136 Anhaften, Nicht-Anhaften
Dass wir an etwas Schönem anhaften, ist auch die Aktivität Buddhismus.
S. 154 Epilog: Zen-Geist
Ehe der Regen aufhört, hören wir einen Vogel. Selbst unter dem tiefen Schnee sehen wir Schneeglöckchen und neues Wachstum.
* Bodhisattva (菩薩 [Púsà]), ein Wesen, dessen Geschlecht nicht festgelegt ist und das aus Mitgefühl auf die eigene Erlösung verzichtet, um allen Lebewesen auf dem Weg zur Befreiung zu helfen. Vgl. Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Bodhisattva

Links: Thích Nhất Hạnh. Hrsg. Adelheid Meutes-Wilsing und Judith Bosser. Worte der Achtsamkeit. Freiburg im Bresgau, Basel, Wien: Verlag Herder, 1997/1999.
Thích Nhất Hạnh (釋一行, 1926–2022) war ein vietnamesischer Zen-Meister, Dichter und Friedensaktivist. Er gründete 1982 in Frankreich das Plum Village und prägte die Achtsamkeitspraxis weltweit.
S. 16
Solange unsere Vorfahren in uns noch leiden, können wir nicht wirklich glücklich sein. Wenn wir achtsam einen Schritt machen – frei, glücklich die Erde berührend –, tun wir dies für alle früheren und zukünftigen Generationen. Sie alle kommen im selben Moment wie wir an, und wir alle finden zu selben Zeit Frieden. (Ein Lotos erblüht im Herzen)
S. 18
Um glücklich zu sein, müssen wir den Samen der Achtsamkeit wässern, der in uns liegt. Achtsamkeit ist der Same für Erleuchtung, für Bewusstheit, Verstehen, Fürsorge, Mitgefühl, für Befreiung, Veränderung und Heilung. Üben wir Achtsamkeit, kommen wir in Berühung mit den erfrischenden und friedvollen Aspekten des Lebens in uns und um uns herum – Aspekte, die wir sonst, wenn wir in Unachtsamkeit dahinleben, nicht berühren können. (Ein Lotos erblüht im Herzen)
S. 20
Achtsamkeit lindert Leiden, weil sie von Verständnis und Mitgefühl ist. (Lebendiger Buddha, lebendiger Christus)
S. 21
Achtsames Essen ist eine wichtige Übung. Sie nährt unsere Bewusstheit. Auch Kinder können sehr gut mit uns üben. (Lebendiger Buddha, lebendiger Christus)
S. 22
Wenn man eine Tassee Tee in voller Achtsamkeit trinkt, berührt man die Gesamtheit der Zeit. Zu meditieren, ein Leben des Gebets zu führen, heißt, jeden Augenblick des Lebens intensiv zu leben. Durch Meditation und Gebet erkennt man, daß Wellen nur aus Wasser bestehen, daß die historische und letzte Dimension eins sind. (Lebendiger Buddha, lebendiger Christus)
S. 24
In seine eigene Natur blicken zu können, ist nicht die Frucht langen Studierens oder Forschens. Es handelt sich vielmehr um eine tiefe Einsicht, die sich daraus ergibt, dass man im Herzen der Wirklichkeit, nämlich in vollkommener Achtsamkeit, lebt. (Schlüssel zum Zen)
S. 26
Sprache kann schöpferisch oder zerstörerisch sein. Achtsames Sprechen kann wahres Glück bringen; unachtsames Sprechen kann töten. (Die fünf Pfeiler der Weisheit)
S. 28
Gehmeditation zu üben, bedeutet, ein Leben in Achtsamkeit zu üben. Achtsamkeit und Erkeuchtung sind eins. (Der Geruch von frischgeschnittenem Grass)
S. 29
Wir müssen uns der wahren Probleme der Welt bewusst sein. Dann werden wir in der Achtsamkeit wissen, was zu tun und zu lassen ist, damit wir eine Hilfe sind. Bewahren wir selbst in schwierigen Situationen die Bewusstheit unseres Atmens und üben wir weiter das Lächeln, wird die Art, wie wir handeln, vielen Menschen, Tieren und Pflanzen zugutekommen. (Ich pflanze ein Lächeln)
S. 37
Wir Menschen gleichen Schlafwandern; wir wissen nicht, was wir tun, noch wo wir hinsteuern. Ob Menschen noch erwachen können oder nicht, hängt davon ab, ob jeder von uns gewissenhafte und achtsame Schritte der Menschheit. Darum hängt die Zukunft der Menschheit, ebenso wie die Zukunft aller Lebewesen hier auf der Erde, von deinen Schritten ab. (Der Geruch von frischgeschnittenem Grass)
S. 96
Tatsächlich ist Liebe ein anderer Name für Verstehen.
S. 96
Der Geist der Liebe gibt uns und anderen Frieden, Freude und Glück. Achtsam Betrachtung ist das Element, das den Baum des Verstehens nähert, und die schönsten Blüten sind Mitgefühl und Liebe. Wenn wir den Geist der Liebe verwirklicht haben, müssen wir zu dem gehen, der Gegenstand unserer achtsamen Liebe nicht nur ein Gegenstand unserer Vorstellungskraft ist, sondern zu einer Quelle der Energie wird, die in der Welt eine reale Wirkung hat. (Ich pflanze ein Lächeln)
S. 117
Das wahre Glück liegt in einem Leben, das von der Einsicht erleuchtet ist, dass alle zusammengehören und miteinander verflochten sind. (Schlüssel zum Zen)
S. 117
Wenn wir anfangen, über Erde, Wasser, Feuer, Luft, Raum und Bewusstsein außerhalb unseres Körpers zu meditieren, kommen wir zu der Erkenntnis, daß diese sechs Elemente das gesamte Universum durchdringen. Allmählich beginnt uns zu dämmern, dass wir und das Universum eins sind. Das Universum ist unsere Basis, und wir sind die Basis Universums. Das Zusammenfinden und Zerfallen eines Körpers fügt dem Universum weder etwas hinzu, noch nimmt es ihm etwas weg. Die Sonne ist für unseren Körper genauso wesentlich wie unser Herz. Der Wald ist für unseren Körper genauso wesentlich wie die Lunge. Unser Körper genauso ist auf den Fluß ebenso angewiesen wie auf fas Blut. Wenn wir fortgesetzt so meditieren, werden wir erkennen, dass wir die Grenzen zwischen „Ich“ und „Nicht-Ich“ loslassen können. Dadurch überwinden wir die Unterscheidungen zwischen Geburt und Tod, Sein und Nicht-Sein und schließlich jegliche Angst. Gemäß der Lehren vom abhängigen Entstehen kommt das Eine zustande durch alles, und alles ist im Einen gegenwärtig. Darum enthält das Erdelement die Elemente Wasser, Feuer, Luft, Raum und Bewusstsein. Das Erdelement kann als das ganze Universum erhaltend erkannt werden. (Und ich blühe wie die Blume…)
S. 120
Zeit beinhaltet Zeit, und Zeit beinhaltet Raum. Raum beinhaltet Raum, und Raum beinhaltet Zeit. Raum ist selbst Zeit. Raum und Zeit können nicht unabhängig voneinander existieren. Ein Kshana (punktförmiger Augenblick) enthält unendliche Zeit, und das allerkleinste Partikelchen enthält grenzenlosen Raum. Das ist das Prinzip des Alles-ist-eins und Eins-ist-alles. Wenn wir dieses Prinzip verstehen, erkennen wir die Phänomene, von denen in Begriffen wie Geburt, Tod, Sein und Nicht-sein die Rede war, als bloße Illusion. (Ich blühe wie die Blume…)
S. 121
Verstehen und Liebe sind nicht zwei Dinge, sondern eins. (Ich pflanze ein Lächeln)
S. 123
Unsere Situation zu verwandeln, bedeutet auch, unseren Geist zu wandeln. Unseren Geist zu wandeln, bedeutet auch, unsere Situation zu verwandeln, denn die Situation ist der Geist, und der Geist ist die Situation. (Ich pflanze ein Lächeln)
S. 125
Das Leben ist nur in der Gegenwart verfügbar. Wir müssen zu diesem Augenblick zurückkehren, um mit dem Leben, wie es wirklich ist, in Berührung zu sein. Zu wissen, dass wir lebendig sind, dass wir mit allen wundern in uns und um uns herum in Berührung sein können, ist ein wahrhaftiges Wunder. Wir müssen nur unsere Augen öffnen und aufmerksam lauschen, um den Reichtum des Lebens zu genießen. Indem wir das achtsame Atmen nutzen, können wir den gegenwärtigen Augenblick in einen Moment voll des Wunders und der Schönheit verwandeln. (Und ich blühe wie die Blume…)
S. 126
An die Wahrheit zu rühren, heißt nicht, Wissen anzusammeln, sondern für das Herz der Wirklichkeit aufzuwachen. Die Wirklichkeit offenbart sich im Augenblick des Erwachens als vollständig und ganz. Im Licht des Erwachens wird nichts hinzugefügt, und nicht geht verloren. Gefühle, die auf Begriffen gründen, rühren uns nicht mehr. Wenn Bodhidharma** ein idealer Mensch ist, dann deshalb, weil er die Ketten der Illusion zerbrochen hat, die uns an die Wekt der Begriffe fesseln. Der Hammer, der zum Zerschlagen dieser Ketten verwendet wird, ist die Praxis des Zen.
S. 127 – S. 128
Bei der Sitzmeditation geht es nicht darum, sich Gedanken zu machen, nachzudenken oder sich in Begriffen oder Unterscheidungen zu verlieren. Es geht auch nicht darum, unbeweglich zu verharren, so wie ein Stein oder ein Baumstumpf. Wie lassen sich die beiden Extreme des Sich-Verhedderns in Begriffen und der völligen Untätigkeit vermeiden? Indem man ganz im gegenwärtigen Augenblick ruht, mitten im Kern der jeweiligen Erfahrung, unter der Lampe der Bewusstheit. Der Weg, beide Extreme zu vermeiden, besteht also darin, sich auf die direkte Erfahrung einzulassen und diese in voller Wachheit wahrzunehmen. (Schlüssel zum Zen)
S. 130
Erleuchtung, Frieden und Freude werden nicht von jemand verliehen. Der Quell ist in unserem Innern, und wenn wir tief genug im gegenwärtigen Moment nachgraben, wird das Wasser hervorsprudeln. Wenn wir wirklich lebendig sein wollen, müssen wir zurück zum gegenwärtigen Augenblick. Üben wir bewußtes Atem, so üben wir die Rückkehr in den gegenwärtigen Moment, in dem alles geschieht. (Ich pflanze ein Lächeln)
S. 139
Während wir bewusstes Atem üben, wird sich unser Denkprozeß verlangsamen, und wir können uns wirklich eine Ruhepause gönnen. Die meiste Zeit denken wir zuviel, und achtsames Atmen hilft uns, ruhig, entspannt und friedvoll zu sein. Es ermöglicht uns, in Fühlung mit dem Leben zu sein, das im gegenwärtigen Moment wunderbar ist. (Ich pflanze ein Lächeln)
S. 141
Wenn Sie einatmen, zollen Sie dem Einatmen ihre ganze Aufmerksamkeit. Wo immer der Atem im Körper hinkommt, spüren Sie die Ruhe, die er bringt. So, als würden Sie an einem heißen Tag kühles Wasser trinken, fühlen Sie, wie der Atem den inneren Organen des Körpers Kühlung bringt. In der Meditation ist der Geist ruhig, wenn der Körper ruhig ist. Bewusstes Atmen bringt Körper und Geist zur Einheit. (Und ich blühe wie die Blume…)
S. 148
Meditation kann praktisch überall und unter allen Umständen geübt werden – im Sitzen, Gehen, Liegen, Stehen, selbst beim Arbeiten, Essen und Trinken. Die Sitzpraxis ist nur die bekannte Form der Meditation. Daß wir uns an dieser Form der Übung freuen dürfen, ist für uns das größte Privileg. (Und ich blühe wie die Blume…)
S. 149
Während der Meditation wird die Energie der Achtsamkeit stetig erzeugt, genährt und gestärkt. Der oder die Meditierende gleicht einer erblühenden Lotosblume. Buddhas sind voll erblühte menschliche Blumen, schön und erfrischend. Wir alles sind werdende Buddhas. (Und ich blühe wie die Blume…)
S. 151
Einatmen und Ausatmen sind sehr wichtig und noch dazu genussreich. Unsere Atmung verbindet unseren Körper und unseren Geist. Manchmal denkt unser Kopf an irgend etwas, und unser Körper macht etwas anderes; Geist und Körper sind dann keine Einheit. Durch unsere Einstimmung auf dem Atem, das „Ein“ und „Aus“, bringen wir Körper und Geist erneut zusammen und werden wieder eins. Bewusstes Atmen baut eine wichtige Brücke.
S. 157
Die wahre Natur oder der wahre Geist ist nicht das, was wir im idealistischen oder intologischen Sinn als „Wesen“ bezeichnen würden. Es ist die Wirklichkeit als solche. Das Wort „Geist“ wird gelegentlich „Natur“ genannt. „Wahrer Geist“ und „wahre Natur“ sind also Namen für ein und dieselbe Wirklichkeit. Vom Standpunkt des Wissens aus bezeichnen wir sie als „Verstehen“ oder gelegentlich auch als „Geist“. Wenn wir über die Wirklichkeit an sich reden, wird die Unterscheidung zwischen Subjekt und Objekt des Wissens aufgehoben. Wir verwenden dafür also Ausdrücke wie „wahre Natur“, „wahrer Geist“, „nicht-unterscheidendes Denken“, oder wir sprechen vom Schauen in die eigene Natur.
(Schlüssel zum Zen)
** Bodhidharma (菩提達摩 [Pútí dámó]) war der erste Patriarch des Zen. Der Überlieferung nach kam er im 5.–6. Jahrhundert aus Indien nach China, wohin der Buddhismus bereits im 1. Jahrhundert gelangt war, und lehrte eine Praxis, die auf Meditation und der direkten Erkenntnis des eigenen Geistes beruht.
